Gedanke zum Tag

mild oder bitter

Grüßen möchte ich Sie mit einem Vers aus der Apostelgeschichte, Kapitel 26, der Vers 22:

„Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.“

Wer die Bibel ein bisschen kennt, weiß, dass die Apostelgeschichte im 26. Kapitel schon fast zu Ende ist; nur noch zwei weitere Kapitel folgen. Auch mit Paulus, der hier – schon verhaftet – vor König Agrippa spricht, bevor er nach Rom deportiert wird, ist es fast zu Ende. Viele Gemeinden hat er gegründet, hat den Grundstein dafür gelegt, dass der christliche Glaube dreihundert Jahre später von Kaiser Konstantin zur Staatsreligion erklärt wird. Viel Leid, Not und körperliche Gewalt hat Paulus ertragen müssen als Missionar für Jesus Christus; aber er weigert sich, seine Lebensbilanz von diesen negativen Erfahrungen bestimmen zu lassen. Immer hat er Gott in seiner Nähe gespürt und sich von ihm geführt und getragen gewusst. „Gottes Hilfe habe ich erfahren“ – das bestimmt sein Lebensgefühl bis zu seinem letzten Atemzug.

Auch wir haben die Wahl im Angesicht Gottes: lassen wir uns vom Negativen bannen oder schauen wir auf das Positive? Lassen wir das Misslungene, das Versäumte, das Vorenthaltene unsere Erinnerungen prägen oder die schönen Momente, erfahrene Liebe, geteilte Freude? Mein Opa mütterlicherseits sagte immer „Das Alter macht mild oder bitter.“ Ein wenig liegt es auch an uns, ob wir das eine werden oder das andere.

Es gibt ja immer solche Geschichten, die gerade in kirchlichen Kreisen in Mode sind (denken Sie an „Spuren im Sand“; eine Zeitlang konnte man den Eindruck gewinnen, dass keine Beerdigung, keine Goldene Hochzeit oder Jubelkonfirmation ohne sie überhaupt möglich war). Zur Zeit erzählt man gerne, in wenigstens 100 Varianten, die Geschichte vom weisen Indianerhäuptling (wahrscheinlich wäre es korrekter, vom Anführer eines Stammes Indigener des großen westlich von Europa liegenden Kontinentes, der zu unrecht nach Amerigo Vespucci benannt wurde, zu sprechen oder von einem Häuptling der „natives“ [englisch auszusprechen, hat nix mit dem Olivenöl zu tun]) – jedenfalls, der gute Mann lehrt den Stamm, dass in jedes Menschen Seele ein schwarzer und ein weißer Wolf miteinander kämpfen. Welcher denn gewinnen werde, wird er gefragt. Na der, antwortet der weise Mann, den du fütterst.

Haben Sie einen zufriedenen Tag
Ihr
Pfarrer Axel Weber

 

 

Liebe Gemeindeglieder, die Einschränkung auf die eigenen vier Wände und der reduzierte Kontakt auf wenige Personen kann bedrückend und eintönig werden. Wir möchten Euch und Ihnen gerne jeden Tag einen Gedanken oder Impuls zum Nachdenken, zum „dran Erfreuen“ und zum Austausch mitgeben. Jeweils ab spätestens 12.00 Uhr sind die Beiträge auf unserer Webseite abrufbar. Solltet Ihr oder sollten Sie auch einen Gedanken haben, den wir teilen können, kontaktiert/kontaktieren Sie uns gerne!

 

Pfarrerin Dorthe Schmücker und Pfarrer Axel Weber