Die Historie unserer Gemeinde

Es ist das Jahr 1889. Deutschland – vor allem das Ruhrgebiet und seine angrenzenden Regionen – erleben die Hochphase der Industrialisierung. So auch der ländlich und dünn besiedelte Düsseldorfer Norden: In Derendorf öffnet das Werk der neu gegründeten Rheinmetall AG seine Tore.  Das ist nicht nur der Startschuss für den Aufstieg Düsseldorfs zum Zentrum der deutschen Stahlrohrindustrie, sondern auch der Beginn der evangelischen Kirchengemeinde Unterrath-Lichtenbroich.

Eine Gemeinde entsteht
Noch gibt es die Stadtteile Lichtenbroich und Unterrath nicht. Deren Gebiet ist ein ländlicher Teil der Gemeinde Ratingen. Die dortigen Bewohner sind vor allem katholischen Glaubens. Doch mit den neuen Firmen – neben Rheinmetall etwa Mannesmann – kommen immer mehr Menschen hierher – darunter auch viele Protestanten. Werkswohnungen entstehen und mit ihnen allmählich die Stadtteile Unterrath und Lichtenbroich. Am 3.12.1893 findet der erste evangelische Gottesdienst, noch recht provisorisch, im ehemaligen Wartesaal der Straßenbahnendhaltestelle in Rath statt. Bereits vier Jahre später verfügt Rath über eine evangelische Kirchengemeinde, die – zunächst als Filiale Ratingens – bis 1903 eigenständig wird. Auch in Unterrath entwickelt sich langsam eine eigene Struktur: Auf die ersten evangelischen Vereine wie Frauengruppen und Arbeiterverein folgt eine evangelische Schulklasse (1903), die 1908 im Aufbau einer evangelischen Schule (heute GGS Beedstraße) mündet. Vier Jahre später entsteht auf der Ahornallee 5 ein eigenes Gemeindehaus mit Betsaal. Bis 1913 kommen ein Kindergarten sowie ein Posaunenübungsraum hinzu.

Es bleibt provisorisch
Auch wenn Unterrath so bereits über ein eigenes evangelisches Zentrum verfügt und die Mitgliederzahl dort stetig wächst, ist an eine Abspaltung von der Gemeinde Rath nicht zu denken. Der Grund: Die Bürger des neuen Stadtteils sind zu arm. Ein gutes Beispiel dafür ist die Barackenkolonie, die 1928 auf dem Heinefeld (heute Golzheimer Heide) entsteht. Dort leben Familien auf wenigen Quadratmetern in Behelfshäusern. Diese soziale Struktur bedeutet für die evangelische Gemeinde, dass sie zu wenige Kirchensteuern einnimmt, um sich einen eigenen Pfarrer leisten zu können. Bis 1937 versorgen insgesamt 14 Hilfsprediger die Gemeinde. Dann wird der Gesamtverband der evangelischen Gemeinde Düsseldorf gegründet, wodurch das Kirchensteueraufkommen zusammengelegt und gleichmäßig verteilt wird. Im Zuge dessen enthält Unterrath 1938 eine eigene Pfarrstelle und kann sich von der Gemeinde Rath abspalten. Erster Pastor der inzwischen auf über 4.000 Seelen angewachsenen Gemeinde ist Pfarrer Günther Kramer.
Im dann folgenden Zweiten Weltkrieg wird das Gemeindeleben jedoch wieder nur provisorisch aufrechterhalten. Das Gemeindehaus auf der Ahornallee wird mehrmals beschädigt – etwa durch Brandbomben oder den Artilleriebeschuss kurz vor der Kapitulation 1945. Insgesamt aber bleibt der Schaden gering.

Die Gemeinde wächst und wächst
So kann die begonnene Aufwärtsentwicklung der Gemeinde nach dem Krieg recht schnell weitergehen: Nissenhütten am Meisenweg und der Theodorstraße sowie Baracken an der Piwipp bieten vielen Kriegsvertriebenen ein provisorisches Zuhause. 1949 zählt die evangelische Gemeinde bereits 6.000 Mitglieder. Der Kirchsaal auf der Ahornallee bietet längst nicht mehr allen Platz. Bis 1952 entsteht mit der Pauluskirche und dem Kindergarten am Diezelweg eine zweite Pfarrstelle auf dem Heinefeld. 1956 wird am Röttchen die Petruskirche eingeweiht. In den kommenden Jahren kommen zwei weitere Pfarrstellen hinzu.
Eine davon ist Lichtenbroich. Direkt nach dem Krieg sind hier Wohnblocks entstanden, in denen rund 400 Flüchtlingsfamilien aus Pommern, Ost- und Westpreußen ein Zuhause gefunden haben. Rund 80 Prozent von ihnen sind evangelisch. Für sie wird zunächst eine evangelische Kindertagesstätte sowie ein Gemeindesaal gebaut. Als wenig später weitere Familien, vor allem zahlreiche Angehörige der Bundespost, zuziehen, entsteht 1977 die Matthiaskirche.

Strukturwandel führt zum Umdenken
Bis zu Beginn der 1990er Jahre bleibt die Kirchengemeinde Unterrath-Lichtenbroich so bestehen. Dann aber ist auch sie gezwungen auf den seit den 1980er Jahren beginnenden deutschlandweiten Anstieg der Kirchenaustritte zu reagieren. Laut dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz treten 1991 allein über 300.000 Protestanten aus der evangelischen Kirche aus. Auch die Unterrather Gemeinde zählt 1994 nur noch 8.400 Mitglieder. Zum Vergleich: 1961 waren es 14.500.

In der Folge gibt das Presbyterium zunächst den vierten Pfarrbezirk auf und nimmt bis 2012 zahlreiche kleinere Änderungen vor. Dann beginnt die endgültige Gemeindeumstrukturierung. Um sich für die Zukunft fit zu machen und Kräfte und Ressourcen zu bündeln, konzentriert sich die Gemeinde nur noch auf einen Standort. 2014 wird die Matthiaskirche in Lichtenbroich aufgegeben. 2017 folgen die Pauluskirche und 2019 das Gemeindehaus am Diezelweg.

Das Zentrum der evangelischen Kirchengemeinde Unterrath-Lichtenbroich ist heute die Petruskirche mit seinem 2020 erbauten Gemeindezentrum. Nachdem die Stelle des Pfarrers lange unbesetzt war, stehen heute Pfarrerin Dorthe Schmücker (seit 2019) und Pfarrer Axel Weber (seit 2018) der Kirchengemeinde mit Rat und Tat zur Seite.